Interview mit Elena MacKenzie – New Shoreham Dreams – Tief wie das Meer

Was macht die zweiteilige Liebesromanreihe “New Shoreham Dreams” von dotbooks-Autorin Elena MacKenzie so unwiderstehlich? Was ist das faszinierende am Trope ‘Enemies to Lovers’ ? Und wie entstehen eigentlich ihre mitreißenden Geschichten? Wir haben Elena MacKenzie interviewt, um genau das herauszufinden!
Kannst du das malerische Setting deiner Romanreihe “New Shoreham Dreams” in deinen eigenen Worten beschreiben?
Elena MacKenzie: New Shoreham ist die Hauptstadt oder auch einzige Stadt auf Block Island, einer kleine Insel vor der Küste von Rhode Island. Auf der Insel leben nur etwa 1000 Menschen, von denen in den Wintermonaten viele die Insel verlassen, um woanders zu arbeiten. Denn im Winter gibt es kaum Tourismus auf der Insel. Hotels und Geschäfte schließen, nur eine einzige Bar hat im Winter offen. Vor der Küste ist 1945 ein deutsches U-Boot untergegangen. Das ist heute Ziel von vielen Tauchern. Mithilfe von Führleinen und wegen der geringen Tiefe können dort auch Anfänger tauchen.
Im Juni erscheint “New Shoreham Dreams – Weit wie der Himmel”, der zweite Band der Reihe. Wie war es für dich, beim Schreiben nach Block Island zurückzukehren?
Elena MacKenzie: Für den zweiten Band habe ich mir bewusst die Wintermonate ausgesucht, wo die Insel fast leer und die Geschäfte und Hotels geschlossen sind. Ich fand dieses dann fast ausgestorbene Setting nochmal interessanter als in Band eins, wo ich die meistbesuchte Phase rund um die Race Week gewählt hatte. Obwohl die Figuren sich aus beiden Bänden wiederholen, ist dadurch das Setting gegensätzlich. Und die Lesenden haben so die Chance beide Seiten der Insel kennenzulernen.
In Band 1, “Tief wie das Meer” lernen wir Dylan Malone kennen, in Band 2, “Weit wie der Himmel” dreht sich alles um seine Zwillingsschwester Liz Malone. Was unterscheidet die beiden? Was verbindet sie?
Elena MacKenzie: Dylan ist seinem Vater sehr ähnlich, aber seinem Vater wiederum nicht ähnlich genug. Von Anfang an steht sein Platz fest. Er muss darum nicht wirklich kämpfen. Er muss nur versuchen, die Erwartungen seines Vaters an ihn, zu befriedigen. Liz ist ein Mädchen und wächst in einer patriarchalen Welt auf. In ihrer Familie muss die Frau nur hübsch aussehen und sich um das Gesellschaftliche Image der Familie kümmern. Aber Liz will mehr, sie will das, was ihr Bruder auch hat. Sie will beweisen, dass sie all das, was ein Mann kann, auch kann. Aber egal, wie sehr sie sich anstrengt, ihr Vater will sie nicht sehen. Viele Jahre wird sie als Kind sogar regelrecht abgeschoben, in dem sie auf ein Internat in Europa geschickt wird.
Enemies-to-Lovers gehört zu den absoluten Fan-Favoriten unter den Tropes. In “New Shoreham Dreams” baust du darauf deine spannenden Liebesgeschichten auf. Warum meinst du, wird der Trope von LeserInnen so gefeiert?
Elena MacKenzie: Ich denke, es ist die Spannung, die von Anfang an zwischen den beiden Protagonisten in der Luft liegt. Da reicht schon ein einfaches Gespräch, das oberflächlich betrachtet wie ein Kampf wirkt, unter der Oberfläche ist es aber erotisch aufgeladen. Und es gibt Ähnlichkeiten zu Dark Romance. In beiden Genres lieben die Lesenden die intensiven Gefühle: Hass, Wut, Verletzung, Leidenschaft. Intensive Gefühle können wie ein Sog wirken. Das Genre bietet die Möglichkeit für richtig gute Dialoge, so ein fetziger Schlagabtausch kann humorvoll und leidenschaftlich sein, und erotisch knistern.
Liz’ und Dylans Beziehung zu ihrem Vater, dem Familienpatriarchen John Malone, ist alles andere als perfekt. Was ist das Spannende am Schreiben über komplizierte Familiendynamiken?
Elena MacKenzie: Mein Stiefvater war John Malone sehr ähnlich, diese absolute Kontrollsucht, dieses jedes Gespräch mitbekommen zu wollen, weil es hätte ja etwas gegen ihn sein können oder etwas, das er gegen seine Familie verwenden kann oder die Familienmitglieder gegeneinander ausspielen. Das ist etwas, das ich von zu Hause kenne. Unter jemanden so kontrollsüchtigem zu leben ist nicht einfach. Das habe ich in den Büchern ein Stück aufarbeiten wollen. Es war für mich also eher etwas Persönliches, das ich mit John Malone wiedergegeben habe. Ich wollte ein bisschen zeigen, wie es sich anfühlt in so einer Familie zu leben, in der bewusst vom Vater dafür gesorgt wird, dass sich die Mitglieder als Konkurrenten betrachten.
Um ihrem Vater zu gefallen, hat Liz jahrelang Teile ihrer Persönlichkeit verstecken müssen, um seinem Ideal zu entsprechen. Trotzdem hat es nie für seine Anerkennung gereicht. Was können wir aus ihrer Geschichte lernen?
Elena MacKenzie: Dass es wichtig ist, sich nicht freiwillig und des Familienfriedens zuliebe unterzuordnen und sich selbst zu verlieren. Wenn man sich dagegen stemmt, kann man daran auch wachsen. Solche Strukturen sind leider sehr belastend für die Menschen, die darunter aufwachsen. Manchmal muss man sich daraus vielleicht auch lösen, um sich zu schützen. Das ist meine persönliche Erfahrung und deswegen natürlich kein allgemeingültiger Rat.
Was ist in deinem Kopf beim Planen eines neuen Romanprojekt zuerst da: Das Setting oder die Figuren?
Elena MacKenzie: Die Figuren. Ich mag es sehr, Charaktere zu erforschen. Wie sind sie aufgewachsen? Wo sind sie aufgewachsen? Wer sind ihre Eltern? Was haben sie erlebt? Gibt es ein Ereignis, das sie nachhaltig geprägt hat? Welchen Einfluss hat ihre Hintergrundgeschichte auf sie und ihr Leben? Verschiedene Menschen können eventuell genau den gleichen Hintergrund haben, aber ihre Charaktere, ihre Stärken und Schwächen können völlig unterschiedlich sein und entsprechend unterschiedlich mit Herausforderungen umgehen. Es macht mir viel Spaß, das in meinen Büchern zu entdecken. Ich denke, dass Figuren manchmal viel interessanter sein können als eine spannende Handlung.
Das Gespräch führte Florina Evers aus dem dotbooks-Lektorat.
Elena Mackenzie schreibt sehr erfolgreich romantische, lustige, erotische und emotionale Liebesromane. Als Setting ihrer Bücher sucht sie sich am liebsten wunderschöne Sehnsuchtsorte aus. Ganz nach dem Motto: Sich in Büchern zu verlieren, heißt grenzenlos zu träumen.
Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre zweiteilige »New Shoreham Dreams« Reihe.


